Freitag, 29. Juni 2018

Bloggen für Britting

Georg Britting
Siehe auch Brittingblog
Georg Britting war ein deutscher Dichter, bayrisch, nieder­bay­risch aus Regensburg, dann aber in München lebend, be­schei­den, mit zwei abendlichen Stammtischen rund um den Rot­wein, keine Kinder, spät geheiratet. Generation Kästner (Erich, nicht Erhart), Eugen Roth, Brecht vielleicht und sonst heutzutage Unbekannte. Er starb 1964.
    Der Mann kann uns eigentlich egal sein. Es gibt tausende vergessene Künstler, Hobbymaler, Profimaler, His­to­rien­schrei­ber, Lieblingsdichter, Romanciers, Zeitgeister, vergangen. – Bücher sind heute Ramsch.
   Zufällig aber kam ich auf Britting, mehr dazu hier, und ich finde, der alte Herr, der nicht mehr bei Talkshows mitreden kann (er wäre heuer 127 Jahre alt!) hat uns immer noch etwas zu sagen, und das recht konzentriert und kompakt. Er war nämlich ein Dichter, sogar im profanen Sinn des Wortes.
   Immer noch ist es nämlich nicht einfach, kurz und knapp zu schreiben – lesen Sie nur weiter, ich bin das beste Beispiel! –, weil wir nicht dichten, nicht verdichten. Vage Wörter wählen, Technologie und Bereich und Umfeld, vor allem, weil wir nicht feilen, feilen, feilen …
   Brittings Geschichten sind geheimnisvoll, romantisch, ländlich, zeitlos. ’s liest sich gut.

Nun suche ich wen, der Britting propagiert, das heißt bekanntmacht, vielen neu bekanntmacht, anderen besser, manchen ganz besonders. Wir brauchen eine PR-Kampagne. Dazu haben wir manches ausprobiert: Die vollständige Britting-Website Britting.De bekam ein Facelift und sieht jetzt ganz respektabel aus. Eine Zeitlang gab's »uns« auf Facebook, was aber zu nichts gut war. Ich habe mich mit Youtube-Vorträgen versucht, da sieht man die Zahl der Abrufe. Das war nichts, weil ich nichts war, jedenfalls kein Medienstar, schon gar nicht fleißig oder literarisch bewandert. Ein Britting-Blog – http://brittingblog.blogspot.de/ – dümpelt herum. Was soll bei einem toten Dichter schon wöchentlich passieren? Dass er sich im Grab herumdreht, wird nicht gemonitort. (Als mir einmal der Hut hochging, weil behauptet wird, dass Britting ein Telegramm an Hitler geschickt hat, da fing er zwar unter der Grabplatte zu rotieren an. Die Studie dazu hier.) Blödsinn bekommt man aber nicht weg; mit Glück bekommt man es in Fake News umbenannt.

Ich meine: Wir brauchen einen Literaturfreund, vielleicht eine Deutschlehrerin an einem Gymnasium, einen wachen, fleißigen Schüler mit fester Stimme und ohne »irgendwie«, jemand, der in knapp fünf Minuten sagen kann, was er oder sie jetzt schon wieder Gutes an Britting gefunden hat, auf Youtube.
   »Mehr Abonnenten als ein Regionalblatt«, titelt meine heutige Regionalzeitung (pardon!), die NZZ über schweizer Youtuber, hier http://j.mp/2HulbVF = https://www.nzz.ch/panorama/auch-schweizer-youtuber-haben-heute-teilweise-mehr-abonnenten-als-regionalzeitungen-ld.1366281.
   Technisch sind die Siegermedien Youtube und Instagram. Menschlicht ist’s Fleiß und Können, Konstanz und Konzentration,  meine ich.
    »Ich arbeite pro Woche rund 20 Stunden für meine Videos, und das neben meinem Studium an der Universität St. Gallen«, sagt Lionel Battegay. Sein Kanal ist »Ask Switzerland« mit 54'000 Abonnenten. Unglaublich. Ein erstes, schönes Beispiel mit Brad Pitt: https://youtu.be/T3xQfIr280k?t=3m42s.
    Dann hier dieses, ausführlicher analysiert:

Ein Youtube-Muster vom 15.9.2016 aus Lionels Youtube-Kanal – nur das Titelbild ist »scharf« –: http://j.mp/2Huijba = https://www.youtube.com/watch?v=X2Bx6DDqPW4
   Knapp 25'000 Aufrufe, 866 Likes, 40 Dislikes
   Lionel ist per du mit einem, redet schnell und agil (wichtig!), abr Schweizerdeutsch. Diese knapp vier Minuten lange Sendung bringt drei Themen, eine 18-jährige Österreicherin verklagt ihre Eltern wegen ins Netz gestellter Bilder von ihr als Kind (kann mir auch noch passieren), dann wirft ein Zürcher Pub ein schwules Pärchen hinaus, und drittems geht ein namentlich genannter Politiker fremd, was der Sendung den reißerischen Titel gab: »Fremdgange – und di ganzi Schwiz weiss es.«
   Unter dem Video stehen Lionels weitere Links und Adressen.
   Ein weiteres Beispiel ist der Fotograf Jan Kaya mit seinem Instagram-Kanal Lichterfang. (Der Lichterfang ist übrigens ein Gipfel weit im Westen der Großen Barriere von Oth auf Pthor). Hier Instagram-Statistiken und neueste Bilder. Die finde ich fast Brittingsch-gruselig, was sich beim geschätzten Dichter freilich expressionistisch nennt oder naturlyrisch.
   Bei Britting geht’s mir aber um Lyrik und Kurzgeschichten, um geschriebene Bilder. Und das ist noch eine ganz andere Herausforderung!

Was sagt mir das alles? Erstens, dass ich doch Schweizerdeutsch nicht so verstehe, zweitens, dass Youtube gut gemacht werden will und wird – die Ansprüche werden sogar noch steigen –, und dass es, in Ehren, ein gutes Medium auch für Britting sein kann. Danke Lionel.

Link hierher: http://j.mp/2Hrgls2 =
https://blogabissl.blogspot.com/2018/04/bloggen-fur-britting.html

PS. Jammerschade, das mit dem »Schwitzerdüütsch«, für mich jedenfalls. Wer keine acht Minuten Zeit hat und auch kein Schweizerdeutsch versteht, wird wie ich das Ask-Switzerland-Duo-Video genießen mit einem jungen weiblichen Youtube-Star der Schweiz, Iris Reeves: https://youtu.be/Jr01uIfSifw. 52'328 Aufrufe +1 jetzt.

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